Nina Natalie Schweinzger schreibt ihre Masterarbeit zum Thema „Humankapital Wissen“ und beschäftigt sich mit lebenslangem Lernen aus der Sicht von Human-Ressource-ManagerInnen. Dabei griff die Studentin der Uni Graz auch auf ExpertInnen-Wissen aus der Demografieberatung zurück. Wir haben mit ihr ein Interview geführt und ausführlich über die Masterarbeit gesprochen.

Liebe Nina, du schreibst deine Masterarbeit bei Univ.-Prof. Dr. Elke Gruber an der Universität Graz, Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft. Kannst du kurz beschreiben, um was es in deiner Arbeit geht?
Der Arbeitstitel meiner Masterarbeit lautet „Humankapital Wissen. Eine Analyse über das lebenslange Lernen in altersheterogenen Teams aus der Sicht von Human-Ressource-ManagerInnen.“
Ich befasse mich mit dem Kapital Wissen in Unternehmen. Das Wissen wird in Unternehmen zukünftig neu bewertet, da aufgrund einer bevorstehenden Pensionierungswelle in den nächsten Jahren erfahrene MitarbeiterInnen die Unternehmen verlassen werden und die Halbwertszeit von Wissen stetig zunimmt.

Was bedeutet das für Unternehmen?
Das bedeutet, dass das Wissen im Unternehmen einen neuen Stellenwert bekommt. Aufgrund dieser Tatsache habe ich den Fokus auf das Generationenmanagement als Lösungsansatz gewählt und mich besonders mit dem Lernen im Unternehmen und dem Wissensmanagement befasst.

Wie bist du in der Masterarbeit vorgegangen?
Sechs Human-Ressource-ManagerInnen wurden die Fragen gestellt, welche Kriterien für eine positive Zusammenarbeit in einem Mehrgenerationen-Team notwendig sind. Ob sie einen Wissenstransfer feststellen konnten und mit welchen Methoden sie den Transfer innerhalb dieser Teams unterstützen. Abschließend wurden sie gefragt, wo sie die zukünftigen Herausforderungen sehen. Zur Beantwortung dieser Fragen wurden zusätzliche noch zwei ExpertInnen herangezogen: Dr. Peter Tavolato, Buchautor „Aktives Generationenmanagement“ (2016) und Mag.a Alexandra Weilhartner von der Demografieberatung für Beschäftigte und Betriebe.

Warum hast du dieses Thema gewählt und wie kamst du darauf?
Warum ich das Thema gewählt habe, liegt daran, dass ich selbst Teil eines altersheterogenen Teams war. Aufgrund eines Veränderungsprozesses im Unternehmen wurde eine Software eingeführt. Hier konnte ich damals für mich selbst feststellen, dass sowohl ich, als auch meine KollegInnen, voneinander lernten. Dies geschah generationenübergreifend.

Außerdem stellte ich damals fest, dass immer wieder notwendige Informationen von älteren KollegInnen kommuniziert wurden, diese aber nie gesammelt und dokumentiert wurden. Hin und wieder war es sinnvoll auf diese Arbeit zurückzugreifen.

Ich stellte mir die Frage, wie es wohl gewesen wäre, wenn sich die Personalabteilung mit einer strukturierten Einführung einer Datenbank befasst hätte und dahingehend konkrete Ziele formuliert hätte bzw. diese Einführung der Datenbank als Wissenstool behandelt hätte.

Wie bist du bei deiner Arbeit vorgegangen?
Bei meiner Recherche bin ich auf das Generationenmanagement gestoßen und habe mich weiter mit dem Wissensmanagement und dem betrieblichen Lernen auseinandergesetzt.

Da ich mich beruflich verändern möchte, habe ich im Herbst letzten Jahres (2017) einen Kurs zum Human-Ressource-Assistenten besucht und bin dort auf ManagerInnen gestoßen. Diese habe ich dann gefragt, ob sie Interesse daran haben, Teil meiner Masterarbeit zu werden. Aufgrund meiner Internetrecherche wollte ich dann auch unbedingt mit der Demografieberatung und Dr. Peter Tavolato Kontakt aufnehmen.

Im nächsten Schritt habe ich den Interviewleitfaden entwickelt, die Interviews durchgeführt, transkribiert, ausgewertet und zusammengefasst. Im letzten Schritt wurden die Ergebnisse aus der Theorie und der Praxis zusammengeführt.

Warum hast du ein Interview mit der Demografieberatung geführt?
Die Demografieberatung war für mich ein wichtiges Bindeglied in der Praxis des Generationenmanagements, da die Handlungsfelder der Demografieberatung diesem ähnlich sind: Arbeitsgestaltung, Führung und Kultur, Personalmanagement, Gesundheit sowie Wissen und Kompetenzen. Dies und die Erfahrungswerte waren ein Grund für die Kontaktaufnahme mit der Demografieberatung.

Besonders spannend habe ich es gefunden, dass Heterogenität auch innerhalb des Teams der Demografieberatung vorliegt. Für den positiven Erfolg in der Beratung arbeiten die BeraterInnen in Kooperationen. Diese Kooperationen leben von der Unterschiedlichkeit.

Um das Wissen zu sichern, wurde von Seiten der Demografieberatung ein gemeinsames Tool entwickelt, damit ein Wissenstransfer innerhalb des BeraterInnen stattfindet. Diese Elemente sowie das gesamte Interview mit Alexandra Weilhartner hatten die zuvor ermittelten Ergebnisse bestätigt und ergänzt.

Jetzt sind wir natürlich gespannt: Was sind deine Ergebnisse?
Grundlegend für die Arbeit mit altersheterogenen Teams sind die Notwendigkeit der Sensibilisierung der Unternehmen und eine wertschätzende Haltung innerhalb der Teams. Die Schlüsselrolle in altersheterogenen Teams behält die Führungskraft.

Alle befragten Personen konnten einen Wissenstransfer innerhalb eines altersheterogenen Teams feststellen. Die Methoden, die sie dargebracht haben, sind genauso unterschiedlich wie in der Literatur. Bevorzugt wird das „Mentoren Modell“ gewählt, da der ermessene Erfolg damit am größten ist.

Die zukünftigen Herausforderungen sind aus Sicht der Human-Ressource-ManagerInnen sowie der ExpertInnen weiterhin die Sensibilisierung der Unternehmen auf die Unterschiedlichkeit der Generationen und die Notwendigkeit von Wissen als Ressource im Unternehmen. Als wichtige Maßnahmen im Rahmen einer Human-Ressource-Abteilung eines Unternehmens werden die MitarbeiterInnenbindung, neue Arbeitszeitmodelle, neue Modelle zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit aller MitarbeiterInnen sowie eine gute Führungskräfteentwicklung genannt.

Die Ergebnisse zeigen auf, dass viel in den Unternehmen im Hinblick auf den Wissenstransfer schon passiert. Vieles geschieht in den Klein – und Kleistbetrieben informell. Trotz allem bedarf es einer Sensibilisierung, dass die Unterschiedlichkeit für den Erhalt von Wissen im Unternehmen sinnvoll ist. Mit der Veränderung der Bevölkerungsstruktur und der Digitalisierung ist Wissen eine wichtige Humanressource für das Unternehmen und sichert den Erhalt dieser.

Nina Natalie Schweinzger verfasst ihre Masterarbeit zum Thema „Humankapital Wissen“ bei Univ.-Prof. Dr. Elke Gruber, Universität Graz, Insitut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft, Fachbereich Erwachsenenbildung.

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